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Wofür wir kämpfen – Guillaume Faye (Buch)

Jede große politische Bewegung der Geschichte konnte nur mit einem festen theoretischen Fundament Erfolg erlangen. Damit das auch beim einfachen Straßenaktivisten ankommt und nicht in isolierten Zirkeln im Elfenbeinturm verkümmert, braucht es vereinfachte, aber nicht verflachte Vermittlung der Inhalte: ein politisches Manifest. Das wohl berühmteste der jüngeren Geschichte dürfte das „Manifest der kommunistischen Partei“, geschrieben von …

Review Overview

Ausreichend

Gesamteindruck

Summary : Das Manifest sagt nicht jedem zu, aber das Wörterbuch kann Einsteigern und Fortgeschrittenen eine große Hilfe sein.

Benutzerwertung: 3.29 ( 9 Wertungen)
75

Jede große politische Bewegung der Geschichte konnte nur mit einem festen theoretischen Fundament Erfolg erlangen. Damit das auch beim einfachen Straßenaktivisten ankommt und nicht in isolierten Zirkeln im Elfenbeinturm verkümmert, braucht es vereinfachte, aber nicht verflachte Vermittlung der Inhalte: ein politisches Manifest. Das wohl berühmteste der jüngeren Geschichte dürfte das „Manifest der kommunistischen Partei“, geschrieben von Karl Marx und Friedrich Engels, sein, das 1848 den Grundstein für eine organisierte kommunistische Bewegung in Deutschland und Europa legte. „Aufmarsch des Nationalismus“ aus der Feder Friedrich Georg Jüngers ist das nationalrevolutionäre Gegenstück für die 1920er Jahre.

Der französische Literat und GRECE-Abtrünnige Guillaume Faye schickte sich bereits vor mehr als 10 Jahren mit „Wofür wir kämpfen“ an, dieses bisher fehlende Puzzleteil den Identitären Europas an die Hand zu geben. Mit wachsendem Erfolg: Es ist mittlerweile in mehrere Sprachen übersetzt worden und die deutsche Ausgabe bereits lange vergriffen. Antiquarische Exemplare sind lediglich ab dem doppelten des Ursprungspreises erhältlich.

„Das ist kein einfaches Manifest, das ist eine Kriegserklärung!“1

Das Werk gliedert sich in zwei große Teile: Der erste hat den angesprochenen Manifest-Charakter. Das Manifest ist wechselseitig pathetisch (und das ist gar nicht unbedingt negativ gemeint), sowie nüchtern und sachlich. Es ist zugleich aufrüttelnd als auch aufklärend. Darin liegt die große Stärke, aber auch zugleich Schwäche Fayes: Er kann sehr eloquent formulieren und ist sicherlich auch ein guter Redner, aber die tiefgreifende Analyse gelingt Faye oft nicht.

Schonungslos rechnet er mit der grünen Ökologie-Bewegung ab, die in ganz Europa ihre Ideale verraten hätte. So ginge man ausschließlich gegen die von Faye hochgelobte Kernenergie vor, während man stattdessen die viel umweltschädlicheren fossilen Brennstoffe als notwendiges kleineres Übel anpreise.

Kritik an doppelmoralistischen Grünen ist nichts Neues und das entzückt den europäischen Durchschnittsrechten sicher auch ganz famos. Ob Atomstrom nun die Lösung und Weisheit letzter Schluss in der Frage der Stromversorgung ist, wage ich aber vorsichtig zu bezweifeln. Ebenso, ob sich eine identitäre Bewegung wirklich mit der Stromversorgung auseinanderzusetzen hat oder ob diese nicht vielleicht eher eine sekundäre bis tertiäre Angelegenheit darstellt. Auch kann man aus der Begeisterung für Kernenergie und den hier auch noch nachklingenden archeofuturistischen Ideen selbst lassen auf einen gewissen Technikwahn schließen. Interessant in diesem Zusammenhang ist allerdings folgende Erkenntnis Fayes: Durch die Fortschrittsideologie werde der Fortschritt letzten Endes gehemmt.

There has been no fundamental innovation since 1960: computers have only been reconceived, and made faster and cheaper than what already existed. In contrast, the automobile, antibiotics, telecommunication, and air travel were authentic revolutions making possible things that had previously been impossible.“2

Durch den wahnhaften Zwang zum Fortschritt ist keine echte Forschung mehr möglich, sondern man hascht immer nur nach der nächsten direkten Stufe und ist nicht mehr in der Lage einen wirklichen revolutionären Sprung zu vollbringen.

Darüber dass Amerikanisierung und Islamisierung beide schwerwiegende Probleme für Europa darstellen, dürften sich Identitäre einig sein. Die Gewichtung und die Bestimmung des Hauptfeindes ist hingegen eine viel diskutierte Fragestellung. Guillaume Faye argumentiert, dass Europa von diesen beiden Gegnern in die Zange genommen wird. Die muslimischen Staaten, insbesondere die ölreichen arabischen, würden sich zwar temporär den amerikanischen geopolitischen Interessen unterordnen. Dies geschehe aber nur, weil die Amerikaner Schützenhilfe bei der islamischen Kolonisation Europas leisteten.

Sie sei im Interesse Amerikas, da eine Islamisierung Europas die Wirtschaftskraft Europas nachhaltig schwächte und die USA damit einen wirtschaftlichen Konkurrenten ausschalteten. Dass Europa schon seit einer gefühlten Ewigkeit in dieser Hinsicht Vasall der USA ist, scheint er auszublenden. Das herannahende TTIP droht sogar, diesen Zustand bald auch endgültig zu manifestieren.

Deshalb plädiert Faye dafür, die Bemühungen auf den Kampf gegen die Islamisierung zu fokussieren. Martin Sellner ist in seinem Vlog schon wesentlich näher an der Wahrheit: Auch er sieht die Zange, in der Europas Identitäten zerquetscht werden, aber eine völlig realitätsferne islamisch-amerikanische Weltverschwörung konstruiert er nicht.

Zusätzlich existiert der arabisch-islamische Block, den Faye zusätzlich zum amerikanisch-liberalen formuliert, meiner Ansicht nach überhaupt nicht in der von Faye beschriebenen Beschaffenheit. Eine arabische Einigkeit wäre im Rahmen einer multipolaren Welt ebenso wünschenswert, wie eine europäische. Dass diese jedoch erst – und wenn überhaupt – in ferner Zukunft steht, zeigen aktuelle Konflikte in Syrien und dem Irak derzeit wieder auf traurige Weise auf. Die panarabische Baath-Partei blickt ebenfalls keinen rosigen Zeiten entgegen: schon lange in unzählige Flügel (regionalistisch/nationalistisch, links/rechts, sunnitisch/schiitisch bzw. alawitisch, …) gespalten und nur noch in Assads Syrien mehr oder weniger herrschende Idee. Nach einem gemeinsamen, gegen Europa gerichteten Block sieht das nicht aus.

Die Islamisierung Europas ist in der Form, wie sie uns heute begegnet, auch keineswegs ein Plan arabo-osmanischer Strategen oder gar Hinterhof-Prediger, sondern mehr ein geschichtlicher Zufall resultierend aus der türkischen Gastarbeiterwelle. Wäre die weltweite wirtschaftliche Lage damals eine andere gewesen, so ist davon auszugehen, dass auch die Islamisierung uns heute nicht oder zumindest in anderer Form begegnen würde. Die Lücke hätte wie zuvor mit weiteren Europäern gestopft werden oder gar ein Anwerbeabkommen mit buddhistischen Ostasiaten geschlossen werden können.

Ganz klar gibt es auch islamische Lobbygruppen, die mit hohem finanziellen und zeitlichen Aufwand das Ziel einer Islamisierung Europas verfolgen. Die Millî Görüş-Bewegung und die staatliche türkische Religionsbehörde DITIB sind da nur zwei von vielen. Einigkeit besteht auf dieser Ebene selbstredend auch nur bedingt und die Ursachen liegen wie gesagt ganz woanders. Sie und der islamische Universalismus sind in diesem Szenario lediglich „Brandbeschleuniger“.

Nicht zu unterschlagen ist auch Fayes mitunter biologistische Herangehensweise. Besonders deutlich wird diese bei dem durch Faye geprägten Begriff „Germen“: Germen bezeichnet einen hypothetischen biologischen Ursprung eines Volkes, der sich in jedem seiner Angehörigen fortsetzt. Germen kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „Samen“. Von diesem Samen gingen sämtliche Folgeerscheinungen innerhalb dieses durch das Volk abgesteckten Rahmen aus. Faye verkennt zwar keineswegs die kulturelle Komponente der ethnokulturellen Identität, setzt diese aber in Abhängigkeit zur ethnischen.

Bei all der Kritik muss aber auch klar festgestellt werden: Die grundsätzliche Stoßrichtung Fayes ist zweifelsohne die richtige. Ein großer Fortschritt im rechten Denken ist die Abkehr von der ausschließlichen Glorifizierung des Nationalstaats. Faye will stattdessen eine Verwurzelung in der Heimat, der Region und zugleich ein Bekenntnis zur Nation. Zusätzlich bettet Faye jene in einen imperialen Zusammenhang ein. Er hat eine Vision für alle europäischen Länder inklusive Russland und dessen asiatischen Teil: Eurosibirien.

A democratic, sovereign, powerful, but decentralised European Federation – economically based on ‚the autarky of great spaces‘, refusing Islamisation and Third Worldisation, equipped with an independent military force, and aspiring to integrate Russia into the greatest imperial ensemble and humanity will have ever known – Eurosiberia – seeking, in the process, to arrest its demographic decline, ally with China and India, and thus break with the Islamic and American worlds.“3

Wörter sind mächtiger als Waffen

Das Manifest spricht aus den vorher genannten Gründen nicht unbedingt jeden an. Von viel größerer Bedeutung ist aber auch der weit umfangreichere zweite Teil: das umfassende metapolitische Wörterbuch, das vor allem für die Bekanntheit von „Wofür wir kämpfen“ gesorgt hat. Faye erklärt hier die 177 wichtigsten Begriffe, die im identitären Sprachgebrauch gehäuft auftauchen und macht so auch komplizierte Theorietexte für jedermann einfach zugänglich.
Selbstredend schwingt bei deren Erläuterung auch noch die ideologische Vorprägung Fayes mit. Definitionen sind aber Definitionen, weil sie nach Möglichkeit objektiv sind,
 so dass das kein großes Problem mehr darstellt. Man könnte nun an dieser Stelle exemplarisch einige dieser auflisten, um eine Leseprobe zu ermöglichen. Der Gefährte Tony von der Identitären Bewegung Sachsen betreibt nun aber schon seit geraumer Zeit einen YouTube-Kanal mit Vorträgen, Veranstaltungsvideos und Vlogs. Und wie es der Zufall will, startete er vor kurzem die Reihe „Metapolitik in unter 60 Sekunden“. Darin erläutert er auf Grundlage von Fayes metapolitischem Wörterbuch die wichtigsten Begriffe:

 

Bislang erschienen drei Folgen: 

Why we fight“ kann hier in englischer Sprache erworben werden. Die Sprache stellt aufgrund ihrer Einfachheit keine Barriere dar.
Gebundene Ausgabe: http://www.arktos.com/why-we-fight.html
Taschenbuch: http://www.arktos.com/guillaume-faye-why-we-fight.html

  1.  Kriegserklärung der Génération Identitaire  []
  2.  S. 60  []
  3. S. 52 []

Über Armin

Armin
Mitglied der IBD - Regionalgruppe Westfalen und zur Zeit im Wiener Exil.

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