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Jännerwein - Eine neue Hoffnung

Jännerwein – Eine Hoffnung (CD)

Die Salzburger Neofolkgruppe Jännerwein schaffte es, im Jahr 2008 mit ihrem ersten Album „Abendläuten“ einen großen musikalischen Fußabdruck in der Szene zu hinterlassen. Ihr Debüt erschien damals noch auf dem Neofolk- und Industrial-Label „Steinklang“, zu dessen Zeit auch andere deutschsprachige alpine Folkformationen Alben veröffentlichten, wobei Jännerwein schon früh durch den bündisch – alpin gemischten Stil …

Review Overview

Summary : "Eine Hoffnung" spiegelt perfekt die Stimmung des Albums wider. Jännerwein sind wahrhaft DIE Hoffnung für das Genre. Pflichtkauf!

Benutzerwertung: 3.94 ( 8 Wertungen)
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Die Salzburger Neofolkgruppe Jännerwein schaffte es, im Jahr 2008 mit ihrem ersten Album „Abendläuten“ einen großen musikalischen Fußabdruck in der Szene zu hinterlassen. Ihr Debüt erschien damals noch auf dem Neofolk- und Industrial-Label „Steinklang“, zu dessen Zeit auch andere deutschsprachige alpine Folkformationen Alben veröffentlichten, wobei Jännerwein schon früh durch den bündisch – alpin gemischten Stil herausstechend wirkte. Kurze Zeit später wurde das bandeigene Label „Rainbergverlag“ gegründet, um in Zukunft auch selbständig für Veröffentlichungen, unter anderem von Solo – Projekten der Mitglieder, gerüstet zu sein. Der erste Streich im Eigenverlag, erschienen im Jahr 2011, war das Album „Nach der Sehnsucht/Von der Beständigkeit der Erinnerung“, das durch seine originellen akustischen Kompositionen musikalisch, wie auch mit den klassischen Texten von Friedrich Nietzsche und Gottfried Benn schriftlich sehr stark überzeugen konnte. Seitdem wurde weiter fleißig musiziert und nun liegt nach rund vier Jahren der Nachfolger vor. Nach der „Sehnsucht“ kommt nun das neue vielversprechende Album mit dem passenden Titel „Eine Hoffnung“ (limitiert auf 500 Stück).

Ein neues Kapitel wird aufgeschlagen

Das Album beginnt mit dem Stück „Noch Ist Nicht Nacht“; aus den anfangs dumpfen und dröhnenden Orgeltönen entwickelt sich mit der Violine und dem Akkordeon ein aufweckender Einklang. Das folgende „Hoher Gesang“ ist ein klassisches Lied in Jännerwein – Manier und erinnert in seiner frischen – fröhlichen Art an das Stück vom letzten Album „Lass Mich Hinaus“. Das Lied ist gut strukturiert und der heitere Gesang ist erhellend; es ist eine Hymne, gewidmet an den Frühling. Man merkt durchaus, wie sich die Gruppe seit dem letzten Album nochmals weiterentwickelt hat, mit einem gesunden Maß an Selbstvertrauen. „An den Mond“ ist die Vertonung eines gleichnamigen Gedichtes von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahr 1777. Das Stück ist von seiner Stimmung wieder ernster und nachdenklicher. Jännerwein leistet hier sehr gute Arbeit, die rhythmischen Gitarrenklänge und die erhabene Stimme verleihen dem Gedicht einen äußert würdevollen Ausdruck.

Das Lied „Sommer“ wurde schon als Single und auf der Compilation „Rites Ov Summer“ veröffentlicht. (Die Compilation ist ebenfalls sehr empfehlenswert, da neben Jännerwein auch andere Künstler wie Bund Neuland, Moineau, Solblot, Truthful Fields und Vurgart je ein Lied darauf veröffentlicht haben. Man kann dieses Werk gratis oder gegen eine freiwillige Spende auf der gleichnamigen Bandcamp – Seite herunterladen.) Dass bei diesem Lied eine Sommerstimmung aufkommt, erklärt sich eigentlich schon von selbst. Der Text stammt, wie so oft, aus der Feder von Max KTG. „Über Strömen, Die Vergehn“ ist ein Instrumentalstück, das gut die Stimmung des Albums ausdrückt, die wieder wärmer und persönlicher ausfällt als auf dem vorherigen Album. „Kämpfe“ ist ein Stück, das jeder Identitäre sich ans Herz legen sollte anzuhören. Lieder dieser Art, wie auch „Steh Auf Nordwind“ von Werkraum, sind musikalisch gesehen das Holz, das das flammende Herz eines Aktivisten am Lodern hält. „Komm Mit Mir“ wird auch hier als Anspieltipp gewählt, weil es mit Sicherheit eines der besten Stücke des Albums ist. Die melodische Gitarre veranlasst den Hörer, sich ganz dem Lied hinzugeben, träumerisch in ländliche – alpine Weiten zu gleiten und auf eine erlösende Art Hoffnung zu empfangen. Meeresrauschen und eine einsame Gitarre lassen das folgende „Zu Den Sternen“ erklingen.

Den spirituellen Blick nach Weisheit suchend, dem fernen Osten zugewandt

Das Album nimmt nun eine kleine Wende in melancholische Richtung und wirkt auch mit dem nächsten Titel „In Einer Kalten Welt“ so, als ob sich das Album in seiner Stimmung gemäß den Jahreszeiten zyklisch abwechseln würde. Das Lied beginnt mit einem sehr gut ausgewählten Sample aus dem Werk Tao Te King – Das Buch des Alten vom Sinn und Leben von Laotse, Kapitel Der Sinn, Nummer 21. Das leere Herz;

„Unergründlich, dunkel ist in ihm Same!
Dieser Same ist die Wahrheit.“

Es ist erfreulich und interessant, dass sich Jännerwein auch der chinesischen Philosophie annähert – ganz im Sinne einer ethnopluralistischen Weltsicht.
Diese Textzeile spricht an, dass aus dem Sinn zunächst das Leben (hier das Große, Tiefe genannt) hervorgeht. Die Entstehung des Daseins geht durch die Stufen der Idee, des (geistigen) Seins, des Samens, der Wirklichkeit. In der Mitte wird wieder aus selbigem Werk ein Sample eingespielt, diesmal aus dem Kapitel Der Sinn, Nummer 4. Von Ewigkeit her:

„Abgründig ist er, als wie aller Geschöpfe Ahn.
Er mildert ihre Schärfe.
Er löst ihre Wirrsale.
Er mäßigt ihren Glanz.
Er vereinigt sich mit ihrem Staub.
Unsichtbar ist er und doch als wie wirklich.
Ich weiß nicht, wessen Sohn er ist.
Er scheint früher zu sein als der Herr.“

Diese Zeilen lassen sich entweder auf den Sinn beziehen, der Sinn ist transzendent und durch seine Immanenz wird er nicht restlos zur Darstellung gebracht. Dieser transzendent bleibende Rest gibt ihm allen Einzeldingen gegenüber die unendliche Überlegenheit. Oder aber beziehen sich die Zeilen auf den Menschen, der in voller Bedeutung den Sinn verkörpert: das Ideal des Menschen überhaupt, das als solches wohl in der Idee vorhanden ist (vgl. Zeile Sechs), aber nicht mit irgendeiner Einzelerscheinung, selbst der allerhöchsten Art, zusammenfällt.

Die musikalische Untermalung vom folgenden Lied „Quell“ fällt resignierend und traurig aus; man hört wie vielstimmig die Gitarre eingesetzt wird und nun für die Melancholie steht. Für erlösende Klänge sorgt wiederum die Violine; musikalisch ein durchaus ergreifendes und dichtes Stück. Mit „Freisaal“ geht es wieder etwas fröhlicher weiter, die Instrumente klingen wieder optimistischer und dem Leben zugewandt. Bei „Mild Und Trüb“ wurde etwa die Hälfte des Textes von Benjamin Sperling verfasst, bei der anderen Hälfte wurde auf Stefan Georges Nacht-Gesang I zurückgegriffen und somit der Text noch im höchstem Maß verfeinert.

Fazit:

„Eine Hoffnung“ ist ein unglaubliches Album geworden, dem man nicht gerecht wird, wenn man es stilistisch nur dem Genre Neofolk zurechnet. Jännerwein haben es wieder einmal geschafft, sich selbst zu übertreffen, und das obwohl man nach dem letzten Album nicht mehr an eine nochmalige Steigerung hätte denken können. Der eigene Stil der versierten Liedermacher ist einfach ein purer Genuss, der mehrstimmige Gesang wechselt mit seiner Vielseitigkeit zwischen ernstem, fragilem und sakral hymnischem Klang. Dort, wo einige Gruppen nicht mal eine wirklich ordentliche Stimme besitzen, da gibt es bei Jännerwein gleich drei Stück von einer gescheiten Sorte. Auf dem Album gibt es auch einen weiblichen Gastauftritt von Cäcilia Wagner an der Violine sowie am Kontrabass bei den Nummern 1, 3, 6 & 11. Geschrieben und aufgenommen wurde es in Sankt Gilgen am Wolfgangsee und Schwarzenberg am Böhmerwald. Ein wahrer Pflichtkauf für Verehrer von deutschsprachigem Neofolk oder traditioneller volkstümlicher Musik. Die alpine Art ist ein ernsthafter und durchaus wichtiger Ausdruck ihrer eigenen Identität; die Musik und Texte geben verinnerlichte Werte wie Heimatverbundenheit, Idealismus, Wahrnehmung von Göttlichkeit wieder.

Sämtliches Liedgut sowie Texte und weitere Informationen zu Jännerwein findet Ihr hier:
https://jaennerwein.bandcamp.com/album/eine-Hoffnung


Liedliste:
1. Noch Ist Nicht Nacht 02:51
2. Hoher Gesang 05:04
3. An Den Mond 06:17
4. Sommer 03:09
5. Über Strömen, Die Vergehn 03:16
6. In Der Nacht 03:16
7. Kämpfe 02:51
8. Komm Mit Mir 03:29
9. Zu Den Sternen 03:11
10. In Einer Kalten Welt 03:51
11. Quell 04:19
12. Freisaal 03:59
13. Mild Und Trüb 02:47

Quellenangaben:

http://www.zeno.org/Philosophie/M/Laozi+(Laotse)/Tao+Te+King+-+Das+Buch+des+Alten+vom+Sinn+und+Leben/Der+Sinn/21.+Das+leere+Herz

http://www.zeno.org/Philosophie/M/Laozi+(Laotse)/Tao+Te+King+-+Das+Buch+des+Alten+vom+Sinn+und+Leben/Der+Sinn/4.+Von+Ewigkeit+her

Über Julian U.

Julian U.
Lebt in Wien, als Student sowie leidenschaftlicher Bücher- und Tonträgersammler.

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