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Sire – Jean Raspail (Buch)

Frankreich im Jahre 1999. Fünf Reiter – ja, dieses Mal sind es fünf, nicht sieben – sprengen, in dunkle Mäntel gehüllt, in wildem Galopp mit ihren Pferden dahin, des Nachts durch schlafende Ortschaften oder am schützenden Ufer der Loire. Sie sind unterwegs, eine Mission zu erfüllen, einen heiligen Auftrag: die Erneuerung des Bundes zwischen Gott …

Review Overview

Sehr gut!

Gesamteindruck

Summary : Die Flamme der Tradition zu hüten, ist ein Hoffnungsschimmer, auch in dunkelsten Zeiten.

Benutzerwertung: 2.87 ( 5 Wertungen)
90

Frankreich im Jahre 1999. Fünf Reiter – ja, dieses Mal sind es fünf, nicht sieben – sprengen, in dunkle Mäntel gehüllt, in wildem Galopp mit ihren Pferden dahin, des Nachts durch schlafende Ortschaften oder am schützenden Ufer der Loire. Sie sind unterwegs, eine Mission zu erfüllen, einen heiligen Auftrag: die Erneuerung des Bundes zwischen Gott und der Krone Frankreichs. Angeführt wird die Schar von dem achtzehnjährigen Philippe Pharamond de Bourbon, dem direkten Nachfahren des letzten Königs von Frankreich und seiner Zwillingsschwester Marie. Es folgen ihnen, ihre gleichaltrigen Freunde Odon de Batz, Monclar und Josselin. Schon hier arbeitet Raspail mit sehr viel Pathos, denn nicht nur wird das königliche Geschwisterpaar in seiner ganzen Reinheit, Erhabenheit und Güte geschildert, sondern auch die drei Freunde sind Symbol und stehen für die Reinform der dem Könighause treu ergebenen Stände: Adel, Klerus und Dritter Stand.

Philippe Pharamond de Bourbon will sich, wie seine Vorfahren, in der Kathedrale Notre-Dame de Reims zum König von Frankreich krönen lassen. Das Ganze soll in aller Heimlichkeit vonstatten gehen, weshalb sie nur nachts reisen und nur wenige in die Verschwörung involviert sind. Bevor sie nach Reims kommen, sind noch zwei weitere wichtige Stationen zu erreichen. Zunächst die Abtei von Fleury in Saint-Benoît-sur-Loire, wo man am Grabe König Phillipe I. von Frankreich eine längst nicht mehr praktizierte Messe neu beleben will und dann weiter zur Kathedrale St. Denis am Rande von Paris, der Grablege aller weiteren Könige von Frankreich und ihrer Familien, an welcher Philippe Pharamond und seine Mitstreiter sich zum Gebet versammeln.

Fleury01 St_Denis_Front Cathedral_Notre-Dame_de_Reims,_France-PerCorr

Bilder: v.l.n.r: Abtei Fleury, St. Denis und Notre-Dame de Reims

An all diesen Stätten bereiten Eingeweihte den Besuch des Thronerben in aller Heimlichkeit vor und wo diese helfenden Hände einmal fehlen, steht ihnen göttliche Hilfe zur Seite, wie z.B. durch plötzlich aufziehenden, dichten Nebel, der sie den Blicken des sie verfolgenden Geheimpolizisten Racado entzieht. Bei der Krönung handelt es sich auch nicht um die Vorbereitung einer Machtübernahme, sondern einzig und allein um die rituelle Wiederbelebung des Bundes Gottes mit dem französischen Königshaus, im Ritus des Sacre, der Salbung und Krönung des von Gottes Gnaden rechtmäßigen Königs. Um den Anachronismus seines Unternehmens, macht sich Philippe auch zu keiner Zeit irgendwelche Illusionen.

Es stimmte, daß er immer vor den Realitäten dieser Zeit geflohen war. Eine Entscheidung, mit der er sich schützte, denn er war alles andere als ahnungslos. Wenn er sich dem Treiben dieser Welt anpaßte, dann würde er am Ende sich selbst und alles, was er darstellte, zerstören. Entgegen allem äußeren Anschein bot dieses Zeitalter keine Hoffnung. Von ihm konnte man nichts erwarten. Nur den Glauben bewahren und weitergeben. (S. 96)

Das Jahr 1999, in welches uns Raspail entführt, ist nicht dasselbe, welches wir kennengelernt haben, eher eines, das uns noch bevorsteht, vielleicht in nicht allzu weiter Zukunft. Das alte Frankreich liegt in Trümmern. Geistig, moralisch und kulturell ist mit allem Traditionellen gebrochen worden, es wurde zerschlagen und versenkt und soll möglichst nie wieder aus seinem Grabe geholt werden. Aus diesem Grunde setzt der Innenminister auch einen Agenten auf Philippe Pharamond an. Kaum eine Zugfahrt geht ohne Überfälle von marodierenden Banden vonstatten, Paris ist ein Moloch aus Sittenverfall und Kriminalität, den man unbewaffnet schon gar nicht mehr betreten kann. Fremdländische Gangs haben hier das Sagen und terrorisieren alles und jeden, der nicht zu ihnen gehört. Die Kirche ist eine Farce, die nur noch von verängstigten Beamten verwaltet wird. Der Rest sitzt stumpf und ängstlich vor den heimischen Fernsehern, ergibt sich anderen Konsumopiaten, Drogen oder der Promiskuität.

Als Kontrapunkte hierzu, stellt Raspail seine Lichtgestalten der fünf Gefährten und ihrer Helfer, die Reste sakraler Architektur, die dem Vandalismus durch Einwandererbanden oder dem der modernen Architektur noch trotzen oder einfach auch die noch verbliebenen Wälder, mit ihrer spirituellen Kraft, gegenüber.

Nur Laubwälder leben wirklich. Jeden Winter müssen sie nach dem Überschwang des Frühlings und dem leuchtenden Farbenspiel des Herbstes die Entblößung ertragen, und das ist der Würde sehr zuträglich. Der Wald macht gewissermaßen eine Demutskur, zieht sich aus jeglicher Bewegung zurück, bevor dann der Triumph der Wiederauferstehung kommt. Darin ist er seinem Wesen nach göttlich. S. 104

Immer wieder gibt es Rückblenden in jene wirre Zeit, die Raspail für den Tod Frankreichs verantwortlich macht, die Zeit der Französischen Revolution, mit ihren Exzessen, Morden, Plünderungen und Hinrichtungen, mit ihrem ganzen wütenden Haß. Für diesen wütenden Pöbel und diejenigen, die dies alles in Gang gesetzt haben, hat Raspail nur Verachtung übrig:

….den Königsmördern, den Priestermassakrieren, den Gottesstürzern, den Vertretern der Nation, den königsmörderischen Mitgliedern des Nationalkonvents. In den verwüsteten Kathedralen feiert man die Göttin Vernunft. Die ehrwürdigen Symbole einer vierzehn Jahrhunderte alten Ordnung werden ersäuft in Strömen von Blut. […]

Wenn es noch Nachfahren dieser Leute gibt, sollten sie erzittern bei dem Gedanken, in sich selbst ein noch so winziges Gen als Träger dieser Niedrigkeiten zu entdecken.

Raspails Idealbild der Monarchie schildert er, indem er Philippe Pharamond sich an die Weisung seines Vaters erinnern läßt, der ihm folgendes mit auf den Weg gab, den er selbst nicht mehr beschreiten konnte, in seinem Exil:

Noch bevor er über das Volk regiert, regiert der König über das Land. Ansonsten ist das Volk eben das Volk. […] aber nur über die Bevölkerung eines Königreiches zu regieren bedeutet, auf den kosmischen Aspekt der Monarchie zu verzichten. […] Der wahre König […] weiß, daß er der König der Felder und Wälder, der Seen und Berge, der Schafe und der Wildschweine, der Hirschkühe und der Forellen ist. Der wahre König ist überall zu Hause. Das ist keine Frage des Eigentums: der König besitzt sein Land nicht wie verstreute Mobilien und Immobilien; er ist in sich selbst das Land, in umfassender Verkörperung. Die Monarchie beruht nicht auf dem Haben, sondern auf dem Sein. S. 107

Dies ist wahres Königtum, dem man in dieser Form wohl nur noch in Tolkiens Herr der Ringe begegnet, ein Königtum, zu dem auch ich mich bekennen würde. Ein König, der König ist, weil er der König ist. Seine ganze Persönlichkeit, seine Aura, seine Heilkraft, lassen keinen Zweifel daran. Er herrscht nicht mit Macht, sondern bekommt sie vom Volke, das ihn liebt und ihm folgt, wohin auch immer.

Ich muß gestehen, auch mich, als eingefleischten Heiden, hat dieses Buch sehr berührt und hier besonders die Stellen des reinen Sakralen und die damit verbundenen Wunder, wenn beispielsweise am Grabe Philips I. von Frankreich dessen Erbe steht, im Jahre 1999, und bei der für ihn gehaltenen Messe und dem sich anschließenden Segen, ein ganzes Kreuzfahrerheer, im Nebel des Weihrauchs auftaucht und auf die Knie sinkt.

Es mag ja sein, daß es viele Menschen gibt, heutzutage wohl sogar die meisten, die damit wenig anfangen können, die das für hoffnungslos überzeichnet oder gar kitschig halten, die nicht wissen, warum sie so etwas überhaupt lesen sollten. Das ist in unserer Zeit der Nivellierungen, der Dekonstruktionen, wohl der Normalfall, ihnen fehlt der Zugang zum Erhabenen, zum Reinen und zum, aus diesem Grund, Schönen. Und doch läßt Raspail hier Saiten eines Archetypus klingen, der in jedem von uns noch schlummert. Dieser Geist liegt eben nur verschüttet unter den Trümmern des Nutzlosen, des Konsumgeistes und wartet auf Befreiung, aber nur jene, die selber graben, geraten am Ende zu ihm durch und wissen um den Wert dieses Erhabenen, dieses Schönen, den man nicht beziffern, sondern lediglich fühlen, in sich bewahren und an die kommende Generation weitertragen kann, als einen Wesenskern europäischer Identität.

Über Jörmund

Naturliebender, heimatverbundener Familienvater, mit einem Hang, wider die Moderne und den Mainstream zu streiten.

Ein Kommentar

  1. Vielen Dank für diese Rezension. Ich selbst bin ebenfalls konfessionslos, aber deine Worte und die Textauswahl haben mich daran erinnert dass es noch mehr gibt als die Vernunft und Rationalität. DANKE!

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