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Die Neue Rechte als Impuls für Europa

Das Jahr 1968 war politisch ein sehr brisantes Jahr. Vor allem die neomarxistische Studentenbewegung war in diesem Jahr sehr aktiv und so sollte das Jahr ihr auch ihren Namen geben. Gemeint ist die 68er-Bewegung, deren politische Erben wir Identitäre den Krieg erklärt haben. Doch ’68 war nicht nur für unsere politischen Gegner ein bestimmendes Jahr. Am 23. Februar dieses Jahres riefen rund 40 französische Intellektuelle in der Stadt Nizza eine Denkschule ins Leben, aus deren Impulsen viele Jahre später auch die Identitäre Bewegung hervorgehen sollte. Sie verstanden sich selbst nicht unbedingt als politische Gegenspieler der Frankfurter Schule und der 68er-Bewegung, auch wenn sie heute sehr wohl als solche beschrieben werden könnten. Vielmehr entwickelten sich beide Gruppen parallel als der bürgerlichen Gesellschaft abtrünnige und verfeindete Brüder aus dem gerade entstandenen Elternhaus des modernen Kapitalismus, das man durch unterschiedliche Ausgänge verlassen wollte.

GRECE: Studiengruppe für die Europäische Zivilisation

Diese 40 Intellektuellen gaben sich den Namen „Groupement de recherche et d’études pour la civilisation européenne“, übersetzt „Studiengruppe für die Europäische Zivilisation“, und bildeten damit einen Denkzirkel, der die rechten Zusammenhänge ideengeschichtlich revolutionieren sollte. Viele der Vertreter sind heute unter der Bezeichnung „Nouvelle Droite“, zu Deutsch „Neue Rechte“, bekannt. Zu den Gründervätern zählten unter anderem Dominique Venner, Guillaume Faye und Alain de Benoist, der als Kopf der Gruppe galt. Die Bezeichnung „Nouvelle Droite“ war jedoch nicht selbst gewählt. Bevorzugt wurden Selbstbezeichnungen wie „Neue Kultur“ oder die Abkürzung GRECE, die eine Anspielung auf Griechenland und ein Hinweis auf die Orientierung an der klassischen Antike sein sollte. Im Grunde lehnte man das alte Schubladendenken in rechts und links als unzulänglich und überholt ab.

Die meisten Mitglieder des GRECE stammten aus nationalistischen Kreisen und waren an einer Neuorientierung und der Ergründung einer an der Nachkriegszeit orientierten Weltanschauung interessiert. Sie wollten die Dogmen der Alten Rechten hinter sich lassen und neue Wege beschreiten. Ihr Anspruch war damals nicht der, die breite Masse anzusprechen, was sie von der Frankfurter Schule unterschied, deren Ideen durch die Studentenproteste der 68er umfangreichen Einfluss bis auf die Straße und in die Hörsäle der Universitäten hatten. In einer Grundsatzerklärung des GRECE aus dem Jahr 1973 heißt es: „Der GRECE ist eine kulturell engagierte Vereinigung. Wir sind uns einig, dass die Kultur nicht mehr die Jagddomäne der Marxisten sein darf. […] Der GRECE ist keine Massenbewegung. Wir haben den Anspruch, die Elite des Landes zu versammeln.“

Weltanschauliche Grundsätze

Neben der Konzentration auf die Metapolitik, mit der Zielsetzung einer „Kulturellen Revolution“, war die Überwindung des klassischen Nationalismus eine der grundsätzlichen Neuerungen des GRECE. Man hatte eine europäische Gegenbewegung zur kapitalistischen Globalisierung des Westens und der marxistischen Lehre aus dem Osten im Sinn. Fündig wurde man insbesondere bei der deutschen Konservativen Revolution. Schon Denker wie Ernst Jünger, Oswald Spengler und Arthur Moeller van den Bruck nahmen eine europäische Perspektive in ihrem Denken ein. Zusätzlich waren Philosophen wie Friedrich Nietzsche oder Martin Heidegger und Traditionalisten wie Julius Evola die Ideengeber des GRECE, sowie Erbforscher und moderne Ethnologen und Ethologen, zu denen Konrad Lorenz, Hans Jürgen Eysenck, Arthur Jensen und Irenäus Eibl-Eibesfeldt gehören.

Weltanschaulich entwickelte man sich auf der Basis eines Antiuniversalismus von einseitig biologistischen Schlagworten wie „Rasse“ oder „Blut und Boden” zu kulturellen Schwerpunkten. Rassismus wurde konsequent abgelehnt. Ein Antirassismus, nach dem ein Recht auf Verschiedenheit respektiert werden soll, gehörte zu den Konzepten, die insbesondere von Alain de Benoist ausgearbeitet wurden. Nach diesem „differentialistischen Antirassimus“ ist die Verachtung der Vielfalt der Kulturen, die sie multikulturell einebnen und damit homogenisieren und zerstören will, ebenso als Rassismus zu bezeichnen, wie der Rassismus, der fremde Kulturen aufgrund einer chauvinistischen Selbstüberhöhung verachtet.

Durch die tiefgehenden, metapolitischen Analysen bildete sich auch immer klarer eine Feindbestimmung heraus. Man war lange von simplifizierenden Verschwörungstheorien und flachen Feindbildern abgerückt. Die Suche nach einem Sündenbock in menschlichen Kategorien (Juden, Metöken, Bänker, Freimaurer, Trotzkisten, Ausländer, usw.) wurde kritisiert und stattdessen ortete man die Ursachen der Probleme in Systemen, gefährlichen Ideen und ihren Entwicklungen und Auswirkungen in Form der modernen Ideologien.

Die Positionierung für die kulturelle Mannigfaltigkeit, die Absage an den Gleichheitsgedanken und den Universalismus, auch die in diesem Zusammenhang kritische Analyse des christlichen Einflusses auf die europäische Kultur und der noch gefährlicheren Säkularisierung vieler Paradigmen in weltliche Theoriekonzepte durch die Aufklärung – all das musste die Feindbestimmung zentral auf den Liberalismus führen. Es war schließlich diese neuzeitliche Ideologie, die das Egalitätsprinzip mit falsch verstandener individueller Freiheit verbunden hatte und so zu einer der großen politischen Theorien wurde.

Gerade Alain de Benoist wurde von den Gedanken antiliberaler Konservativer wie Armin Mohler und Carl Schmitt inspiriert und die Ablehnung des Liberalismus war für den GRECE schnell unmittelbarer Grundsatz. Heute, einige Jahrzehnte später, hat sich gezeigt, dass sich der Liberalismus gegen alle anderen modernen Ideologien durchsetzen konnte. Damals wie heute legt er in der westlichen Welt als vorherrschende Ideologie die Rahmenbedingungen für alle politischen Vorgänge fest.

Deswegen bekannte sich der GRECE klar zur Demokratie, kritisierte aber ihre liberale Erscheinungsform als der Natur des Demokratischen – Anteilnahme eines Volkes an seinem Schicksal (Moeller von der Bruck) – entgegengesetzt. Als Ausweg wurde eine organische Demokratie benannt, die das Bewusstsein in den Mittelpunkt stellt, einem Volk als organische, kollektive Wesenheit anzugehören. Grundsätze sollten durch diese Stärkung des Volksbewusstseins meritokratisch und subsidiär sein und dem Prinzip liberaler Demokratie als „Wahl-Polyarchien“ entgegenstehen, welches bloße Einzelinteressen einer Vielzahl von sozialen Atomen aufsummiert und Möglichkeiten demokratischen Verfahrens darauf reduziert.

Einer ablehnenden Haltung zur Demokratie aus Teilen der rechten Zusammenhänge hielt man entgegen, dass es sich um eine „-kratie“, und somit nur eine Form der politischen Herrschaft handelt. Man hielt den Antidemokraten also vor, dass sie in ihrer Kritik die Demokratie mit einer Ideologie und speziell mit dem Liberalismus verwechseln. Dieser hätte ideologisch Einfluss auf die Gesellschaft und damit auf die Funktionsweise, das Verständnis und die Umsetzung der Demokratie.

Erfolge und Einflusserweiterung

1979, elf Jahre nach der Gründung des GRECE, war das Projekt weit in den politischen Einflussbereich vorgedrungen und die Erfolge sind europaweit mit keiner Entwicklung im antiegalitären Lager der Nachkriegsgeschichte zu vergleichen. In den Jahren seit der Gründung der Gruppe hatten sich mehrere Niederlassungen in verschiedenen französischen Städten gebildet. Es gründete sich eine belgische Sektion in Brüssel und ein südafrikanischer Zweig in Johannesburg. Allein in Frankreich hatte der GRECE über 4000 Mitglieder. Die organisierten Seminare konnten Besucherzahlen von durchschnittlich 1500 Personen verzeichnen. Die Monatszeitschrift „Eléments“, die anfangs nur als internes Papier angedacht war, wurde bereits 1973 öffentlich zugänglich und fand trotz des hohen Anspruchs ihr Publikum (Auflage 20.000 Stück).

Ab 1974 wurde eine weitere „doktrinäre Revue“, die „Etudes et recherches“ veröffentlicht (wöchentliche Auflage 15.000 Stück) und 1976 erfolgte die Gründung des Verlages „Editione Copernice“. Unter den 134 Beteiligten am Patronatskomitee der bereits 1968 von Benoist gegründeten Zeitschrift „Nouvelle École“ (Auflage 10.000 Stück) waren namhafte Personen des intellektuellen Lebens in Frankreich und des Auslands: Wie der Ethologe Konrad Lorenz oder der Regionalwissenschaftler Mircea Eliade, die Schriftsteller Marc Beigeber, Thierry Maulnier und Arthur Koester, der Historiker Pierre Gaxotte und der Soziologe Piet Tommissen. Mit Lorenz war ein Nobelpreisträger dabei und mit Gaxotte und Maulnier zwei Mitglieder der Académie française.

Es gelang ebenfalls, Einfluss auf die Presse außerhalb der eigenen Publikationen zu nehmen. 1977 erhielten einige GRECEisten Zugang zur Redaktion des „Figaro-Magazine“ mit wöchentlich 500.000 verkauften Exemplaren und schon im Vorfeld war eine Zusammenarbeit mit den Zeitschriften „Le Spectacle de Monde“ und „Valeurs actuelles“ mit jeweils 100.000 verkauften Zeitschriften pro Auflage gelungen. Man knüpfte ebenfalls, Kontakte zu politischen Kreisen. Diese beschränkten sich nicht nur auf rechte Parteien wie dem „Front National“ (FN) und der „Partie des Fonces Nouvelles“ (PFN). Mitglieder des GRECE trafen sich ebenfalls mit führenden Persönlichkeiten der „Giscardiens“, von denen das wohl bekannteste Mitglied der Bruder des damaligen französischen Präsidenten war.

Der GRECE im Zentrum der Aufmerksamkeit

Die aufblühende Gegenkultur und der Einfluss auf die bürgerlichen Medien, sowie ihre Aufwertung durch einige der angesehensten Institutionen Frankreichs, blieben von linker Seite natürlich nicht unbemerkt. Ab Sommer 1979 reagierte man mit einer großangelegten Pressekampagne. Aus dieser linken Gegenkampagne stammt auch der Begriff „Nouvelle Droite“. Der GRECE war bis dahin trotz harmloser Stigmatisierungsversuche mit der Bemühung, möglichst undogmatisch auf eine politische Kategorisierung zu verzichten, lange Zeit erfolgreich gewesen.

Die Linke setzte sich jedoch 1979 intensiv mit den Ansätzen des GRECE auseinander und erkannte das Gefahrenpotenzial im Kampf um die Deutungshoheit. Ende Juli 1979 erreichte die Debatte ihren Höhepunkt. Man hatte sich hauptsächlich auf die Person Alain de Benoist konzentriert und nun entbrannte eine Welle von Veröffentlichungen und Radio- sowie Fernsehsendungen widmeten sich der Thematik. Es gelang der Linken im Verlauf der Debatte nicht, dem GRECE einer bestehenden rechten Gruppe zuzuordnen, dennoch hielt sich die Bezeichnung „Nouvelle Droite“.

In der ersten Zeit schien die Debatte um die „Nouvelle Droite“ und Alain de Benoist als Rechtsintellektuellen dem GRECE sogar zuzuspielen. Die Mitgliederzahlen und die Auflagen der Publikationen stiegen an. Alain de Benoist stand im Zentrum der Aufmerksamkeit. Selbst der Playboy führte ein Interview mit ihm und die japanische Presse wollte wissen, ob er als französischer Präsident kandidieren würde. Außerdem erhielt er unzählige Einladungen und Aufforderungen zur Einsendung von Manuskripten. Alain de Benoist schlug die meisten Angebote jedoch aus. Ob es das Richtige war, sich für eine Zurückhaltung zu entscheiden, ist heute eher fraglich und viele Mitstreiter kritisieren de Benoist für seine damalige Passivität bis heute. Auch de Benoist bedauert mittlerweile selber, die Möglichkeiten nicht ausreichend genutzt zu haben.

Hohe Erwartungen und herbe Rückschläge

Die Erfolge des GRECE weckten hohe Erwartungen, die man immer schwerer erfüllen konnte. Der öffentliche Druck zeigte letztendlich doch seine Wirkung und erschwerte so die Arbeit zusätzlich. Außerdem rückte die französische Politik immer weiter nach links; 1981 wurde schließlich der Sozialist Francois Mitterand zum Präsidenten gewählt. Das Figaro-Magazine beugte sich den erschwerten Bedingungen und wollte einen moderaten Kurs einschlagen. Es folgten interne Auseinandersetzungen mit den GRECEisten und nach und nach musste einer nach dem andern die Redaktion verlassen. Dies war ein herber Rückschlag, denn mit der großen Leserschaft das Figaro-Magazine brach einer der wichtigsten Resonanzräume weg.

Erste Richtungstreitigkeiten innerhalb des GRECE schwächten die Gruppe weiter. Einige Mitglieder wechselten zum Front National, der Impulse des GRECE stark vereinfacht übernommen hatte. Das war vielen GRECEisten aber nicht genug und die Fronten begannen sich zu verhärten. Die stark intellektuelle und elitäre Ausrichtung führte dazu, dass der GRECE für politische Aktivisten nie interessant wurde. Es fehlte die Verbindung von intellektueller und theoretischer Arbeit hin zur praktischen Umsetzung und den dafür benötigten aktivistischen Multiplikatoren. Die Frankfurter Schule hatte ihre Studentenbewegung, die ihre Forderungen auf die Straße trug und die linke Metapolitik ergänzte, was sich nun als Vorteil Gegenüber dem GRECE herausstellte. Im Jahr 1987 trat Alain de Benost schließlich aus dem GRECE aus und gründete die „Revue Krisis“, die aber nie an die Erfolge des GRECE anknüpfen konnte. Mit Alain de Benost kehrte der Kopf und der bekannteste Vertreter dem Denkzirkel den Rücken. Der GRECE existiert zwar bis heute, ist politisch aber nie wieder so einflussreich geworden wie damals.

Eine Herausforderung für unsere Generation!

Was übrig bleibt, ist eine gewaltige Sammlung an Veröffentlichungen, ein weltanschauliches Fundament, eine harte Lektion und auch eine Herausforderung für unsere Generation. Es ist lange Zeit ruhig um die Nouvelle Droite geworden, doch die Strukturen und Ansätze haben sich weiterentwickelt. Mit dem Bloc Identitaire und insbesondere seiner Jugendorganisation der Génération Identitaire ist aus den Ideen der Nouvelle Droite in Frankreich erstmals eine aktivistische Bewegung hervorgegangen. Ebenfalls in Frankreich gründete sich vor Kurzem zu Ehren Dominique Venners das „Institut Iliade“. Wichtige Persönlichkeiten aus der Geschichte des GRECE bekennen sich zu dieser neuen Institution und mit der Positionierung, in der Tradition Dominique Venners als einen der Gründer des GRECE, seines symbolischen Freitods und vor allem der europäischen Kultur zu stehen, bekennt man sich klar zum Geist, der einst auch den GRECE beflügelte.

Im deutschsprachigem Raum ist mit dem „Institut für Staatspolitik“, der „Sezession“, dem „Verlag Antaios“ und der Identitären Bewegung allmählich ein Netzwerk entstanden, das sich stetig ausbaut. In anderen europäischen Ländern gewinnt die Nouvelle Droite oder eben die Neue Rechte ebenfalls an Einfluss als tatsächliche Europabewegung. Die Ideen der Konservativen Revolution und ihre Weiterentwicklung durch neurechte Denker und Aktivisten dringen wieder in den politischen Diskurs und auch auf die Straße und in die Tagespolitik. Zuwanderungkritische Parteien gewinnen an Zustimmung, große Protestbewegungen formieren sich, und als europäisches Netzwerk hat die Neue Rechte das Potenzial und das Verständnis, den sichtbaren Unmut zu kanalisieren und in für Europa überlebenswichtige politische Veränderungen umzuwandeln. Man könnte von einer Wiederentdeckung der Nouvelle Droite sprechen, einer letzten Chance für die europäische Kultur, die immer deutlicher zu einem Aufruf wird, sich einzubringen und aktiv zu werden.

Literaturempfehlungen:

Michel Böhm,Alain de Benoist: Denker der Nouvelle Droite“

Alain de Benoist, „Aufstand der Kulturen: Europäisches Manifest für das 21. Jahrhundert“

Über Fabian

Fabian
Ist Gründungsmitglied der Identitas-Gemeinschaft und so oft wie möglich mit dem Rucksack in ganz Deutschland und Europa unterwegs.

Ein Kommentar

  1. Wer so denkt wie ihr, dem kann es nicht wirklich um „Europa“ gehen, sondern nur um Abschottung und Isolation. Und diese Phänomene haben schon jede Nation. die sich darauf einließ, zwangsläufig in die Katastrophe geführt. Die Bewahrung von Kultur und Werten ist auch in einer offenen, pluralistischen Gesellschaft möglich, in welcher der kleinste geimeinsame Nenner aller Bürger der Respekt und die Akzeptanz für die grundgesetztreue Lebensweise und den Glauben des jeweils anderen darstellt.

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