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Danke Merkel!

Mitte November 2016 – Bundesrepublik Deutschland: Einige Tage zuvor wurde vermeldet, dass ein orangefarbener Komet auf die Erde zurast. Die Bevölkerung beginnt gerade, sich von diesem Schock zu erholen, als Norbert Röttgen, Primus des Auswärtigen Ausschusses, endlich wieder gute Nachrichten verkünden kann:

Angela Merkel wird 2017 ein weiteres Mal als Kanzlerkandidatin antreten!

Freilich: Die Worte fielen im Gespräch zwischen Röttgen und Frederik Pleitgen während eines CNN-Interviews, welches eher die transatlantischen Beziehungen zum Thema hatte. Und Frau Kanzler hatte schon zuvor (immer und immer wieder) betont, dass sie sich erst ‚zu gegebener Zeit‘ – ‚im richtigen Moment‘ zu ihrer erneuten Kandidatur äußern würde.

Das hieß (vermutlich), dass man bis zum Tag X warten und schauen wollte, ob man den Karren bis dahin endgültig an die Wand gefahren bekommt und ein vierter Wahlsieg damit eher unwahrscheinlich würde. Denn dann hätte für Frau Merkel die Möglichkeit bestanden, die Verantwortung der nächsten Unionskanzlerschaft beispielsweise auf Ursula ‚Panzerbraut‘ von der Leyen abzuwälzen, während sie sich selbst – ehrenhaft und im Felde unbesiegt – aus der Politik zurückzieht.

Doch nur wenige Tage nach Röttgens Interview ertönt vom Schloss der im Volksmund scherzhaft ‚Christunion‘ genannten Kongresstänzer die frohe Kunde: Habemus candidatam! Merkels Kandidatur 2017 wird bestätigt.

Und in der Tat war es ein sehr kluger Moment für Angela Merkel gewesen, diese erneute Kandidatur offiziell zu verkünden:

Eben erst war Frank Walter Steinmeier zum gemeinsamen Präsidentschaftskandidaten der Großen Koalition ernannt worden. Steinmeier hatte in den letzten Jahren als Außenminister die sehr undankbare Aufgabe gehabt, bei einem autoritären System nach dem anderen anzuklopfen, Guten Tag zu sagen, Hände zu schütteln und Merkels fröhlich-heitere BRD zu repräsentieren. Weil der Besuch türkischer bzw. arabischer Gegenden dieser Welt für den Außenminister derzeit spannender ist als der Israels, musste es der SPD-Mann dabei in jüngerer Vergangenheit ablehnen, den Völkermord an den Armeniern als solchen anzuerkennen.

Die jüngsten Ereignisse des Novembers 2016 aber gaben Frank Walter Steinmeier die Gelegenheit, endlich – mit einem Ozean zwischen ihm und Trump als Schutzwall – standfest die moralische Basis seiner Person zu beweisen. Dazu sei an seine Reaktion und seine Worte anlässlich der Wahl des neuen amerikanischen Staatsoberhauptes erinnert.

Frischer Wind weht durch den Staate Dänemark mit so einem Wunschkandidaten der Herrschenden für das Amt des Bundespräsidenten. Das ist ein starkes Zeichen gegen Trump! Der Republikaner ist nämlich demokratisch gewählt worden, genau so wie Adolf Hitler (oder auch John F. Kennedy)! In Deutschland hat man dagegen aus der Vergangenheit gelernt und ermittelt den Staatschef innerhalb der politisch privilegierten Kaste. Um kein Machtgeplänkel zwischen Staats- und Regierungschef aufkommen zu lassen, übernimmt der Bundespräsident die Position des Grüßaugust: Er klopft bei anderen Ländern an, sagt Guten Tag, schüttelt Hände und repräsentiert das System des Kanzlers.

So gesehen ist der erfahrene Frank Walter Steinmeier die optimale Besetzung für den Nutznießer von diesem Ämterschacher in der volksfremden Herrscherclique. Sowieso ist der Verschleiß eines linientreuen Systemmitgliedes im Rahmen eines lächerlich gewordenen Amtes sicherlich besser, als etwa einen volksnahen und demokratisch gewählten Kandidaten auf den Plastikthron zu setzen und ihn dort der allmählichen Korrumpierung durch die Mächtigen auszusetzen.

Nun aber – mit so einem Mann als obersten Repräsentanten ihrer Politik in Aussicht – hat Frau Merkel die Gunst der Stunde genutzt und zugeschlagen. Zumal sie jetzt auch Lob von Barack Obama geerntet hatte: Merkel, die ihm zufolge für große Glaubwürdigkeit steht und bereit sei, für ihre Werte zu kämpfen, verdiene Wertschätzung von den Deutschen.

Sollte es sich also tatsächlich bewahrheiten, dass uns Angela Merkel 2017 als Kanzlerkandidatin zur Verfügung steht, so sollte man sich in der patriotisch-demokratischen Opposition – im Sinne besagter Wertschätzung – geistig darauf vorbereiten, DANKE zu sagen.

In der Tat ist man hier Frau Merkel nämlich einen Dank schuldig: Ihre glorreichen Veränderungen der Landschaft, ihre grandiosen Eingriffe in die Atmosphäre unserer Städte, die über Parteigrenzen hinausgehende Einheitspolitik der größten Kanzlerin aller Zeiten waren es erst, die so viele Menschen in Deutschland und Europa aus den eigenen vier Wänden geholt und auf die Straße gelockt, zu Alternativen in der politischen und kulturellen Gestaltung angeregt, die das Engagement des Bürgers gegen ein demokratie- und volksfeindliches System verstärkt haben.

Natürlich wissen wir nicht, inwiefern das alles ihr persönlicher Verdienst ist oder der eines sogenannten Deep-State, den es in einer globalisierten Welt sicherlich nicht nur in den verruchten USA geben dürfte – aber lassen wir die rechtspopulistischen Verschwörungstheorien. Unbestreitbar bleibt, dass unabhängig vom eigentlichen Verdienst der Lorbeeren niemand anderes als Angela Merkel, Regierungschefin der BRD, für die inneren Entwicklungen der letzten Jahre maßgeblich verantwortlich zeichnen muss. Wenn auch viele Gedankenströme der Opposition älter sind als Merkels Kanzlerschaft und teilweise aus dem Ausland stammen – der demokratische und patriotische Widerstand, vor allem in der BRD, muss sich bei Angela Merkel bedanken, dass sie ihm endgültig einen Daseinsgrund geliefert hat.

Und last but not least bliebe – mit der merkelschen Kandidatur 2017 – ein wesentlicher Grund für die Deutschen, sich bei ihrer Kanzlerin zu bedanken: Weil sie ihren Untertanen dann die Chance geben wird, ihr und gegebenenfalls einigen ihrer Cliquenfreunde die Quittung zu geben; weil sich Merkel dann einmal der Verantwortung stellt und ernsthaft der Möglichkeit ins Auge blickt, vom deutschen Volk abgewählt zu werden.

Über Benjamin Nemsic

Ein Kommentar

  1. Wir werden sehen. Natürlich muss die Initiative der Wahlbeobachtungen von http://www.einprozent.de gestärkt und die Grünen mit aller Macht bekämpft werden..

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